Homogenbereiche

Homogenbereiche des Bodens (ATV DIN 18300 VOB/C 2015)

Baugrund JACOBI Homogenbereich Gera-Erfurt-WeimarIm August 2015 erschien die Ergänzung der VOB/C 2015 zur VOB 2012. In dieser Ergänzung werden die neu bearbeiteten Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen (ATV)-Normen (DIN 18300, 18301, 18311 usw.) in der VOB verankert. Damit werden die Bodenklassen u. a. nach DIN 18300 ersetzt und die Vereinheitlichung der Bodenklassifizierung in Homogenbereich eingeführt. Es ist davon auszugehen, dass die Normen ab Mitte 2016 gültig sind.
Durch die Einführung gibt es zum Teil gravierende Änderungen, die große Probleme aufwerfen, da selbst in Fachkreisen die neuen Festlegungen der ATV-Normen noch relativ unbekannt sind.

Im Folgenden geben wir Ihnen einige Informationen, die Sie über die Homogenbereiche und deren Folgen für Planer, Architekten und Bauherren wissen sollten.

1 BETROFFENE „ALTE“-NORMEN
2 NEUREGELUNG – HOMOGENBEREICH
3 ÄNDERUNGEN IN DER PRAXIS
4 NEUE NORMEN
5 FAZIT

1 Betroffene „Alte“-Normen

Mit der Anpassung im August 2015 wurden z. B. folgende DIN-Normen zum Thema Baugrund bzw. Bauleistungen ersetzt/zurückgezogen.

DIN Gewerk Bisherige gültige Fassung
DIN 18300 Erdarbeiten 18300:2012-09
DIN 18301 Bohrarbeiten 18301:2012-09
DIN 18319 Rohrvortriebsarbeiten 18319:2012-09

In den bisherigen verschiedenen Normen, die mit der Klassifizierung von Boden und Fels zu tun haben, sind für jede Bauweise einzelne Bodenklassen angegeben. Infolgedessen war es möglich, dass ein Boden unterschiedlich klassifiziert wurde, je nachdem welche DIN angewendet wurde. Die Bodenklassen z. B. nach DIN 18300 wurden bisher in 7 Klassen wie folgt eingeteilt:

Klasse 1: Oberboden
Klasse 2: Fließende Bodenarten
Klasse 3: Leicht lösbare Bodenarten
Klasse 4: Mittelschwer lösbare Bodenarten
Klasse 5: Schwer lösbare Bodenarten
Klasse 6: Leicht lösbarer Fels und vergleichbare Bodenarten
Klasse 7: Schwer lösbarer Fels

Weiterhin gab es z. B. in der DIN 18301 weitere 12 Klassen für Böden und 11 Klassen für Fels. Zudem kommen z. B. für die DIN 18319 insgesamt 29 Klassen hinzu.
Durch die unterschiedliche Anzahl an Klassen und die Veränderungen der Maschinen bzw. Bauweisen kam es immer wieder zu kostspieligen Nachträgen, welche häufig vor dem Gericht ausgetragen wurden.

2 Neuregelung – Homogenbereich

2.1 Was ist ein Homogenbereich

Die Definition nach ATV DIN 18304 VOB 2012:
„Ein Homogenbereich ist ein räumlich begrenzter Bereich aus einer oder mehreren Boden- und Felsschichten nach DIN 4020 und DIN EN 1997-2, dessen bautechnische Eigenschaften eine definierte Streuung aufweisen und der sich von den Eigenschaften des abgegrenzten Bereichs abhebt.“

Der geotechnische Bericht bzw. das Baugrundgutachten nach DIN EN 1997-2 ist die Grundlage für die Homogenbereiche. In diesem müssen umfassend und eindeutig die Bodenverhältnisse beschrieben werden. Aufbauend auf das Gutachten erfolgt die Ausschreibung der Homogenbereiche.
Der Unterschied zwischen den „alten“ Bodenklassen und den Einteilungen nach Homogenbereichen ist, dass mehrere Baugrundschichten mit ähnlichen Eigenschaften zu einem Homogenbereich zusammengefasst werden können.
Jedoch ist zu beachten, das bei verschiedenen Gewerken durch die unterschiedlichen Technologien abweichende Homogenbereich festzulegen sind.
Entsprechend den Homogenbereichen sind die bodenmechanischen Eigenschaften bzw. Kennwerte zur Einstufung vorgegeben.

2.2 Laborversuche

Erster Schritt für die Grundlage der Homogenbereich ist die Baugrunderkundung nach DIN EN 1997-2 und DIN 4020. Im Anschluss muss für das Baugrundgutachten jede einzelne Schicht umfangreich untersucht werden, um die einzelnen Parameter zu bestimmen. Zur Bestimmung dieser Parameter sind viele verschiedene Laborversuche und zusätzliche Recherchen erforderlich. Somit sind für Lockergesteinsböden etwa 18 und Fels etwa 10 Parameter zu bestimmen. Folgend eine Übersicht zur Bestimmung der Homogenbereiche von Lockergesteinsboden an den Beispielen der ATV DIN 18300, 18301 und 18319.

 

Nr. Eigenschaft/Parameter ATV DIN 18300 ATV DIN 18301 ATV DIN 18319
1 Kornverteilung X X X
2 Anteil Steine und Blöcke X X X
3 Mineralogische Zusammensetzung der Steine und Blöcke X
4 Dichte X X X
5 Reibungswinkel
6 Kohäsion
7 undränierte Scherfestigkeit X X X
8 Sensitivität
9 Wassergehalt, Konsistenz, Konsistenzgrenzen X X
10 Plastizität
11 Verformungsmodul
12 Durchlässigkeit X
13 Lagerungsdichte X X X
14 Kalkgehalt
15 Sulfatgehalt
16 Organischer Anteil X X
17 Benennung und Beschreibung organischer Böden
18 Abrasivität
19 Quellen
20 Bodengruppe X X X
21 ortsübliche Bezeichnung X

 

In der Tabelle für die Einteilung in Homogenbereiche sind Angaben zu tätigen, welche aus Laborversuchen sowie regionale Kenntnisse des Baugrundgutachters abzuleiten sind.
Zur Ermittlung der Homogenbereiche, entstehen so Labor-Mehrkosten von 300 € bis 600 € pro Schicht.
Weiterhin entstehen dadurch Mehrkosten das z.T. Kleinbohrungen in Form von Rammkernsondierungen zur Probengewinnung nicht mehr ausreichen, sondern Kernbohrungen zur Entnahme von Proben erforderlich werden.
Wie der Tabelle zu entnehmen ist, muss der Massenanteil an Steinen und Blöcken wie auch deren mineralogischen Zusammensetzung in jeder Schicht ermittelt werden. Dies hat zur Folge das Kleinbohrungen in Form von Rammkernsondierungen sowie Kernbohrungen nicht ausreichend sind, sondern zusätzliche Schürfe angelegt werden müssen. Hinzu kommt das bei tiefen Einschnitten der Bauwerke, die Schürfe entsprechend Tiefer, aufwendiger und kostspieliger hergestellt werden müssen werden.

3 Änderungen in der Praxis

3.1 Auswirkungen auf den Baugrundgutachter

Zukünftig ist die Einteilung von Homogenbereichen Inhalt eines Baugrundgutachtens bzw. geotechnischen Berichts. In diesem soll der Baugrundgutachter die einzelnen Schichten vollständig beschreiben und in Homogenbereiche einteilen.
Hierzu sind Kenntnisse über die Bauweise (Auflistung der einzelnen Gewerke) sowie den anzuwendenden Technologien erforderlich. Da der Gutachter entscheiden muss welche der 13 ATV-DIN’s er berücksichtigt. Infolge dessen müssen Planer, Architekten und Baugrundgutachter zukünftig noch enger zusammenarbeiten.
Infolge der Einteilung der Homogenbereiche erfolge eine genauere und differenziertere Beschreibung des Baugrundes als bisher. Jedoch sind dafür umfassendere geotechnische Labor- und Feldversuche zur Bestimmung von Kennwerten erforderlich. Für die Baugrundgutachter bzw. Ingenieurbüros entsteht so das Dilemma ein einigermaßen bezahlbares Untersuchungsprogramme aufzustellen. Dies ist nur möglich wenn ihm alle Informationen zum Bauwerk vorliegen um dann die passenden Homogenbereiche dem jeweiligen Gewerk zuzuordnen. Da bereits vor Angebotserstellung der Untersuchungsumfang nach den Homogenbereichen ausgerichtet werden muss.
Probleme werden bei einem unvorhersehbaren Baugrund auftreten. Wenn z.B. das Leistungsangebot lediglich 3 Schichten umfasste und bei der Untersuchung 5 oder mehr Schichten festgestellt werden. Weiterhin besteht das Problem, wenn zwar die Schichtanzahl übereinstimmt aber unvorhergesehen Grundwasser angeschnitten wird und so alternative Gründungsvarianten bzw. Lösungsmöglichkeiten angegeben werden müssen, die auch andere Gewerke und somit eine andere Einstufung der Homogenbereiche erfordern. Für diese Varianten müssen Gelder bewilligt werden um notwendige ergänzende Untersuchungen durchführen zu können.
Insgesamt gesehen wurde mehr Verantwortung und Pflichten an den Baugrundgutachter übergeben.

3.2 Auswirkungen auf den Planer und Architekten

Infolge der neuen ATV DIN´s werden die Leistungsverzeichnisse sich vom Umfang erhöhen. Da für jedes Gewerk und die entsprechenden Homogenbereiche einzelne Positionen ausgeschrieben werden müssen.
Infolge der Einteilung der Homogenbereiche wird es bei komplizierten Verhältnissen erforderlich, dass zur Bauüberwachung der Baugrundgutachten miteinzubeziehen ist.
Seit dem Erscheinen der VOB/C 2015 ist diese bei Ausschreibungen auch zu berücksichtigen.

4 Neue Normen

Folgend ein Auszug der neuen ATV-Normen (Fassung 2015-08) die für Einstufung von Boden- und Felsklassen gültig sind:

- ATV DIN 18300 Erdarbeiten
- ATV DIN 18301 Bohrarbeiten
- ATV DIN 18302 Arbeiten zum Ausbau von Bohrungen
- ATV DIN 18303 Verbauarbeiten
- ATV DIN 18304 Ramm-, Rüttel- und Verpressarbeiten
- ATV DIN 18305 Wasserhaltungsarbeiten
- ATV DIN 18306 Entwässerungskanalarbeiten
- ATV DIN 18311 Nassbaggerarbeiten
- ATV DIN 18312 Untertagebauarbeiten
- ATV DIN 18313 Schlitzwandarbeiten
- ATV DIN 18319 Rohrvortriebsarbeiten
- ATV DIN 18320 Landschaftsbauarbeiten
- ATV DIN 18321 Düsenstrahlarbeiten

5 Fazit

In Fachkreisen besteht jetzt schon starker Zweifel an der Umsetzung der Normen. Leider erinnert dies stark an die Probleme bei der Einführung des Eurocodes DIN EN 1997-2. Da dieser zwar seit 2012 gültig ist und die DIN 4020 abgelöst hat, sich jedoch nur Wenige daran halten.
So haben jetzt schon viele von Homogenbereichen erfahren, sich jedoch nicht mit der Thematik und den Folgen befasst.
Aus unserer Sicht ist die Einführung einer solchen Norm zwar der richtige Schritt aber noch keine endgültige Lösung. Für kleinere Bauvorhaben ist das vollständige umsetzten so nicht möglich, da die Kosten für ein Baugrundgutachten sich vervielfachen würden.
Zu beachten ist auch das für Ausschreibungen 2016 teils ein geotechnischer Bericht vorliegt, welcher vor Einführung der Homogenbereiche erstellt wurde. Das bedeutet das Zusatzuntersuchungen und damit einhergehende Mehrkosten erforderlich werden.

Die Praxis und die kommenden Ausschreibungen werden zeigen, in wie weit und wie schnell sich die Vorteile (weniger Streitfälle, klarere Ausschreibungen, etc.) durchsetzen und die Nachteile (Mehraufwand, Zusatzkosten, etc.) wegfallen.

 

Haben Sie Fragen oder Anregungen zum Thema Homogenbereiche? Dann Kontaktieren Sie uns.

Rufen Sie uns an:
0361 2254548
Baugrund JACOBI Wedekind Weimar-Erfurt Ansprechpartner:Herr Uwe Wedekind
Dipl. Geol.
Projektingenieur

 

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Stand: 12/2015